Raab, Michael: (Poly-)Parenthood between project logic and gender identity. In: Sexualities

Abstract: Romantic love unites a man and woman as a couple. The birth of a child confirms the righteousness of this union and prolongs it into eternity – so the myth goes. Simultaneously, the demand for a well-planed and economically optimized parenthood is increasing. How do (potential) non-monogamous parents deal with these multiple demands? Based on an intersectional multi-level-analysis of 13 interviews, the article describes three gender-specific modes of subjectivation: A strong self-identification with the ideal of the autonomous subject, deconstructing fatherhood while reproducing motherhood and poly-parenthood as a project of social planning. The article shows which narratives of personal development occur empirically in relation to relationship management and parenthood, and how these narratives are either reconciled or weighed against each other. It becomes clear that the idea of polyamory as a means for personal development is widespread and is partly accompanied by an ideal of individual independence of an autonomous subject which does not go well with parenthood. Deconstructing fatherhood while reproducing motherhood turns out to systematically reinforce traditional gendered modes of subjectivation. It also became evident that there is an underlying idea of community development in which children become a part of a comprehensive project of joint self-improvement.

https://doi.org/10.1177/13634607211056880

Gesa Mayer: Artikel ‚Polyamorie‘ im Handbuch Feministische Perspektiven auf Elternschaft

Abstract: Polyamor lebende Eltern führen im gegenseitigen Einvernehmen romantisch-sexuelle Beziehungen mit mehreren Partner*innen. Wie genau sie Elternschaft gestalten, ist noch wenig erforscht. Der Beitrag gibt einen Überblick über Formen, Vorzüge und Probleme konsensuell nichtmonogamer Elternschaften. Aus feministischer Perspektive diskutiert er die Ausrichtung von Mutterschaft an Monogamie-Norm und romantischer Liebe, die Persistenz geschlechtlicher Arbeitsteilung, (De-)Konstruktionen biologischer und sozialer Elternschaft sowie den Einfluss intersektionaler Machtverhältnisse auf die Sicht- und Realisierbarkeit von Polyelternschaften.

Mayer, Gesa (2021). Polyamorie. In Lisa Yashodhara Haller & Alicia Schlender (Hrsg.). Handbuch Feministische Perspektiven auf Elternschaft. Opladen/Berlin/Toronto: Barbara Budrich, S. 569–579

Andrea*s Exner: Von der Einhegung der Liebe zur Polyamorie?

Wenn wir über Schenken, Teilen und Beitragen nachdenken, betrifft das nicht nur den Bereich der heute so genannten Produktion, die Betriebe. Es betrifft auch den davon als getrennt wahrgenommenen und organisierten Haushalt. Historisch betrachtet ist der Haushalt in der heute vorherrschenden Idee und Form eine Besonderheit. Sie ergibt sich aus der versuchten Fusion von Wirtschaftsgemeinschaft, Liebe und Sexualität. Diese Besonderheit ist im Zuge der Durchsetzung von Privateigentum, Marktwirtschaft und Kapital entstanden. Sie prägt die Gefühle der Menschen tief.

Exner, Andrea*s (2014) : Von der Einhegung der Liebe zur Polyamorie? Erste theoretische Erkundungen in einem wenig bekannten Terrain. Streifzüge 60 (2014), Volltext auf streifzüge.org

Michel Raab: Wer kümmert sich in der Poly-Familie? Und wieso ist das wichtig?

Als ich die Ergebnisse meiner Studie zu „Care in konsensuell-nichtmonogamen Beziehungsnetzwerken“ – etwas einfacher gesagt: „Wie kümmern sich Menschen, die polyamor oder anderweitig nichtmonogam leben, umeinander?“ – im Dezember 2019 auf der Tagung „Wurzeln – Bande – Flügel. Familie als Ort der Sozialisation, Kontrolle und Emanzipation“ in der Akademie Waldschlösschen vorgestellt habe, wurde in der anschließenden Diskussion kritisiert, dass ich die Sorge ins Zentrum meiner Untersuchung gestellt habe und sehr wenig über Sex sagen konnte. Der Einwurf traf mich zum ersten Mal: Im akademischen und queer-feministischen Rahmen wurde meine Schwerpunktsetzung in der Regel geteilt, niemals kritisiert. Dass gerade im Waldschlösschen die lieb gewonnene Selbstverständlichkeit „Care ist wichtiger als Sex“ hinterfragt wird, ist vielleicht kein Wunder: Die Schwulenbewegung musste lange darum kämpfen, dass (schwuler) Sex als nicht-verwerflich anerkannt wurde, insofern ist ein spontanes Misstrauen gegenüber Beziehungsdiskursen, die Sexualität scheinbar ausblenden, verständlich. Deshalb will ich im Folgenden (1) explizit begründen, wieso ich Sorge für mindestens genauso wichtig wie Sexualität halte. Im danach werde ich kurz auf die Rolle von Schwulen und Lesben als Pionier*innen konsensuell-nichtmonogamer Lebensweisen eingehen (2), bevor ich zum Schluss (3) zeige, dass es gerade verbindliche Sorgeverhältnisse sind, die den Beteiligten eine partielle Emanzipation von herrschenden Klassen- und Geschlechterverhältnissen ermöglichen.

Raab 2021 – Wer kümmert sich in der Poly-Familie

Raab, Michel (2021). Wer kümmert sich in der Poly-Familie? in: Baglikow, Stephan & Trau, Kim Alexandra (Hg.). Wurzeln — Bande — Flügel. Familie als Ort der Sozialisation, Kontrolle und Emanzipation. Berlin (Salzgeber), S. 90-109

Michael Raab: Spülen zu dritt

„Aus der Aussage »Ich liebe Dich« lässt sich nicht schlussfolgern, wer den Abwasch erledigt. Aus Statistiken schon: Nach einer Zeitverwendungsstudie des Statistischen Bundesamtes (2015) kümmern sich Frauen durchschnittlich fast 27 Stunden pro Woche um Haushalt und Familie, zehn Stunden mehr als Männer. Weitere Geschlechter wurden nicht erfasst, wie auch die Zahlen keine Rückschlüsse über Unterschiede der Aufgabenteilung in verschiedenen Beziehungsformen erlauben. Wie sieht es also aus mit der Care (Sorge), wenn drei oder mehr Menschen einvernehmlich-nichtmonogam zusammenleben? Bedeutet »Liebe zu dritt« auch »Spülen zu dritt«? Oder räumen die beteiligten Frauen einfach mehreren Männern hinterher? Für meine 2019 erschienene Studie »Care in konsensuell-nichtmonogamen Beziehungsnetzwerken« habe in nichtmonogame Sorgearrangements analyisert. Der folgende Text fasst einige zentrale Ergebnisse zusammen. Vorab lässt sich festhalten: Auch in (hetero- und bisexuellen) Poly-Kontexten kümmern sich Frauen stärker um den Haushalt als Männer – trotz einem weit verbreiteten Anspruch auf Geschlechtergerechtigkeit, der aber in unterschiedlichem Maße erfüllt werden kann…“

Der Text aus dem Sammelband Polyfantastisch fasst die wichtigsten Ergebnisse meiner Doktorarbeit zugänglich zusammen.

Raab, Michel. Spülen zu dritt. In: Raab, Michel; Schadler, Cornelia. Polyfantastisch. Nichtmonogamie als emanzipatorische Praxis. Münster (Unrast) 2020, S. 151-161

Christian Klesse: On the Government of Bisexual Bodies. Asylum Case Law and the Biopolitics of Bisexual Erasure

Klesse, C. (2021) ‘On the Government of Bisexual Bodies. Asylum Case Law and the Biopolitics of Bisexual Erasure’, in R.C.M. Mole (ed.) Queer Migration and Asylum in Europe. London: UCL Press: 109-131.

Der Artikel hinterfragt dominante gesellschaftliche Deutungsweisen von ‚Bisexualität‘, die einen Rechtsverlust durch Unsichtbarkeit und Zweifel von Menschen mit nicht-binären Identitäten und Lebensweisen im internationalen Asylrecht verursachen.

Schlüsselwörter: Bisexualität(en), Asylrecht, Unischtbarkeit, sexuelle Orientierung, Biphobie

Volltext beim Verlag

Christian Klesse: Bifeminist Antimonogamy and the Politics of Erotic Autonomy

Klesse, C. (2021) ‘Bifeminist Antimonogamy and the Politics of Erotic Autonomy’, in R. Baumgartner and E. Maliepaard (eds.) Bisexuality in Europe: Sexual Citizenship, Romantic Relationships, and Bi+ Identities. London: Routledge: 67-82.

Der Artikel rekonstruiert die Geschichte der Monogamiekririk in bisexuellen Feminismen.

Schlüsselwörter: Bisexualität(en), konsensuelle Nichtmonogamie, Feminismus, erotische Autonomie

Volltext bei Open Access Publishing

Diana Cichecki

Diana Cichecki ist Soziologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Universität Freiburg. Sie forscht zu unterschiedlichen Formen von einvernehmlich nicht-monogamen Beziehungen. Ansonsten liegt ihr Schwerpunkt vor allem auf qualitativen Methoden und Methodologie – vor allem in Bezug auf vermeintlich „gescheiterte“ Interviews. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Soziologie der Geschlechterverhältnisse, wobei sie sich insbesondere für das Ausloten der Verbindung von Gesellschafts- und Geschlechtertheorien interessiert.

Webseite an der Universität Freiburg

Christian Klesse

Christian Klesse ist Reader in Soziologie an der Manchester Metropolitan University im Vereinigten Königreich (United Kingdom). Er forscht zu den Themen Nichtmonogamie, LGBTQI+ Bewegungen, transnationale Sexual- und Geschlechterpolitiken, und Queere Film Festivals uns ist Co-Koordinator der Research Gruppe CISG (Contemporary Intimacies, Sexualities and Genders).

Webseite an der Manchester Metropolitan University

Texte von Christian Klesse

Doreen Kruppa

Dipl.Psychologin, seit 2006 Lehre & Forschung zu sozialer Ungleichheit, vielfältigen Lebensweisen & Heteronormativität.

Blog zu freundschaftszentrierten Lebensweisen unter https://freundschaftszentriertleben.com/

Texte von Doreen Kruppa

Theresa Manderscheid

Theresa Manderscheid ist Soziologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Socium der Universität Bremen. In ihrer Dissertation befasst sie sich mit Aushandlungsprozessen in unterschiedlichen Formen nicht-monogamer Beziehungen. Darüber hinaus interessiert sie sich für Methoden und Methodologien qualitativer Sozialforschung, insbesondere qualitative Netzwerkforschung und Grounded Theory Methodologie.

Andrea Newerla

Andrea Newerla ist promovierte Soziologin und arbeitet als Senior Scientist an der Paris Lodron Universität in Salzburg. Mobilisierte Intimität(en), Sexualitäte(en), alternde Gesellschaft sind Themen, denen sie im Rahmen von Forschungsprojekten und Lehrveranstaltungen nachgeht. Insbesondere die Vielfalt intimer Beziehungen, die durch Dating Apps initiiert werden, stehen gegenwärtig im Fokus ihrer wissenschaftlichen Arbeit.

Webseite an der Paris Lodron Universität Salzburg

Gesa Mayer

Gesa Mayer ist Diplom-Soziologin und Bildungswissenschafterin (Master of Higher Education). Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Technischen Universität Hamburg und promoviert an der Universität Hamburg über Subjektivierungen nicht-monogam lebender Menschen. Ihr soziologisches Hauptinteresse gilt der kritischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Konstruktionen von Begehren, Sexualität und Geschlecht.

Webseite unter https://www.gesamayer.net/

Texte von Gesa Mayer

Michel Raab

Michel Raab ist Koch, Sozialarbeiter und Sozialwissenschaftler und beschäftigt sich beim Bildungskollektiv Biko mit Geschlechterverhältnissen, sozialer Ungleichheit und Bewegungsgeschichte. Er lebt in einer Kommune und von verschiedenen Jobs in Bildung, Wissenschaft und EDV.

Texte zu Beziehungsformen

Texte zu anderen Themen

Cornelia Schadler

Cornelia Schadler ist Senior Lecturer am Institut für Bildungswissenschaft an der Universität Wien. Sie forscht zu neomaterialistischen Theorien und deren methodischen Umsetzungen, sowie zu Familiendefinitionen und Elternschaft. Sie hat 2011 an der Universität Wien (Soziologie) mittels eines DOC-Stipendiums der Österreichischen Akademie der Wissenschaften promoviert und war in dieser Zeit Gastwissenschaftler*in an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz, dem Centre for the Humanities in Utrecht und der Temple University in Philadelphia. Nach ihrer Promotion war sie Senior Researcher in einem FP7-Projekt („FamiliesAndSocieties“). Danach zwei Jahre Erwin-Schrödinger-Fellow an der Ludwig Maximilians Universität in München.

Webseite an der Uni Wien

Texte von Cornelia Schadler

Michael Raab: Elterliche Care-Arrangements in konsensuell-nichtmonogamen Beziehungsnetzwerken

Raab, Michael. Elterliche Care-Arrangements in konsensuell-nichtmonogamen Beziehungsnetzwerken. In: Peukert, Almut; Teschlade, Julia; Wimbauer, Christine; Motakef, Mona; Holzleithner, Elisabeth (Hrsg.). GENDER-Sonderheft 5. Elternschaft und Familie jenseits von Heteronormativität und Zweigeschlechtlichkeit. Opladen (Budrich), S. 156-171

Zusammenfassung: Der Artikel stellt auf der Basis von sieben Interviews aus einem Gesamtsample von 13 Interviews einer qualitativen Studie elterliche Sorge in konsensuell-nichtmonogamen Be-ziehungsnetzwerken dar und fragt, ob die offen gelebte Nichtmonogamie mit Veränderungen in elterlichen Care-Arrangements einhergeht. Er unterscheidet eine Lebensführung mit paarweiser Elternschaft und eine kollektive Elternschaft von mehr als zwei Erwachsenen. Beide Varianten gehen mit un-terschiedlichen Anforderungen einher: Konsensuell-nichtmonogam lebende Elternpaare können auf vielfältige Unterstützung aus ihren Beziehungsnetzwerken zurückgreifen, was von allen Beteiligten positiv bewertet wird. Eltern bleiben dabei ein enger Kern mit Unterstützer_innen, die keine expansiven Rollen einnehmen. Hegemonialen Normen entsprechend übernehmen Mütter mehr Sorgeverantwortung. Kollektive Mehreltern-Konstellationen hingegen können ihre Praxen nicht aus der Selbstverständlichkeit soziokultureller Wissensbestände heraus begründen und sind dazu gezwungen, ihre familiären Bande in unpassende rechtliche Konzepte zu übersetzen. Dadurch entstehen, was auch an mangelnden Rechtsansprüchen der weiteren Bezugspersonen liegt, Dynamiken, die dazu beitragen, dass auch hier die Mütter die Hauptlast der Erziehung tragen.

Schlüsselwörter: Beziehungsnetzwerke, Care, Elternschaft, Geschlechtliche Aufgabenteilung, Konsensuelle Nichtmonogamie, Patchwork-Familien, Polyamory

PDF (Open Access) beim Verlag

Gesa Mayer: „… auch wenn da jetzt nich‘ ihre Gene drinstecken.“ Zur Bedeutung biologischer und sozialer Elternschaft in polyamorer Familienplanung

in: GENDER – Sonderheft 5 | Elternschaft und Familie jenseits von Heteronormativität und Zweigeschlechtlichkeit, S. 28-43

Zusammenfassung:  Der Beitrag befasst sich mit subjektiven Bedeutungszuschreibungen an biologisches und/oder soziales Elternwerden. Die diskurstheoretische Analyse qualitativer Interviews mit zwölf Menschen, die erwägen, in heterosexuellen polyamoren Partnerschaften Eltern bzw. Bezugspersonen für Kinder zu werden,
arbeitet zwei Positionen heraus: Familienvisionen, die biologisch-genetische Reproduktion als essentiell für die Ausübung von Elternschaft ansehen, enthalten tendenziell zwei (primäre) Eltern. Interviewte, für die soziale Bindung und Verantwortung nicht in leiblicher Abstammung fußen müssen, sind offener für Familienmodelle mit mehr als zwei Elternteilen. Doch ringen auch diese mit gegenderten Konstrukten einer Überlegenheit biologischer Verwandtschaft, die in Spannung zu polyamoren  Beziehungskonzepten stehen. In den Interviews aufscheinende Ansätze des kritischen Umgangs mit Normativität beinhalten das Vervielfältigen, Verneinen, Kontextualisieren und Resignifizieren von Elternschaft. “… even if they haven’t put their genes in there.” On the meaning of biological and social parenthood in polyamorous family planning.

Schlüsselwörter: Biologische Eltern, Mononormativität, Konsensuelle Nichtmonogamie, Polyamore Elternschaft, Polyamore Familienplanung, Polyamorie, Soziale Eltern

Neu erschienen: GENDER – Sonderheft 5 | Elternschaft und Familie jenseits von Heteronormativität und Zweigeschlechtlichkeit

Das Sonderheft 5 der Zeitschrift GENDER, herausgegeben von Elisabeth Holzleithner, Julia Teschlade, Almut Peukert, Christine Wimbauer und Mona Motakef beschäftigt sich mit Elternschaft und Familie jenseits von Heteronormativität und Zweigeschlechtlichkeit. Das Heft ist als PDF beim Verlag per Open Access verfügbar und enthält auch mehrere Beiträge aus dem Kreis des Netzwerk Kritische Beziehungsforschung.

Klappentext: Regenbogenfamilie, Inseminationsfamilie, Mehrelternfamilie: Diese Begriffe versuchen das Phänomen zu fassen, dass Elternschaft und Familie in vielfältigen Konstellationen verwirklicht werden. Sie stehen dabei im Spannungsfeld zwischen empirischer Vielfalt und gesellschaftlichen Norm- und Normalitätsvorstellungen. Die Beiträge des Sonderheftes erkunden die Familienformen lesbischer Zweielternfamilien, Trans* und Co-Elternschaft, nicht-monogamer Beziehungsnetzwerke sowie queere Beziehungsnetzwerke im Kontext von Flucht.

Mehr dazu beim Verlag (externer Link).

Michel Raab & Cornelia Schadler: Polyfantastisch? Nichtmonogamie als emanzipatorische Praxis

»Wann wird ›She loves you‹ nicht mehr ganz selbstverständlich als ›Sie liebt Dich‹ übersetzt, sondern endlich mal mit ›Sie* liebt euch, yeah, yeah, yeah‹?«

»Bedeutet ›Liebe zu dritt‹ auch ›Spülen zu dritt‹? Oder räumen die beteiligten Frauen einfach mehreren Männern hinterher?«

›Polyamory‹ ist mittlerweile in aller Munde, weil sie eine Befreiung aus traditionellen und einengenden Beziehungs- und Familienformen verspricht. Doch nicht nur individuell, auch gesellschaftlich bilden Liebesbeziehungen und Familien zentrale Lebensbereiche. Hier werden soziale Normen und gesellschaftliche Strukturen aufgegriffen und mehr oder weniger eigensinnig modifiziert. Daher ist Beziehungsführung ein hochpolitisches Thema. Dahinter steht die Frage: Kann eine Veränderung von Liebesverhältnissen den Menschen befreien?

Der breitgefächerte Sammelband lotet unterschiedlichste Möglichkeiten der Emanzipation und Subversion in der Beziehungsführung aus.

Münster (Unrast) 2020
ISBN 978-3-89771-282-9
16,00€, 224 Seiten
zur Webseite beim Verlag
Inhaltsverzeichnis

Rezensionen

Doreen Kruppa: „Diese Intensität mit der ich Freudschaften nachgegangen bin, da ist dann vielleicht auch mein Fokus oder mein Grundinteresse.“ – Freundschaftszentrierte Lebensweisen als Alternative zu heteronormativen Beziehungswelten

Im Sommer 2019 ist ein Beitrag von mir zu den Ergebnissen meiner Forschung zu freundschaftszentrierten Lebensweisen in der Krake erschienen.
Die Krake ist ein feministisches Untergrund MagaZINE zu alternativen Beziehungsformen, das seit 2006 einmal im Jahr erscheint. Sie befasst sich mit allem, was beziehungstechnisch aus dem Rahmen fällt – z.B. glückliche Singles, Kuschelmonster, Polyamante, KomunardInnen und leidenschaftliche WG-Be­wohnende, FreundInnen-Netze und Aromantiker*Innen, etc., wobei sie viel Wert darauf legt, dass der Humor nicht zu kurz kommt.
Die aktuelle Ausgabe hat einen Freundinnen-Schwerpunkt hat, und ebenso die Nr. 7, die weiterhin erhältlich ist. Mehr zur Krake erfahrt ihr hier: http://krakententakel.de
Zu meinem Beitrag kommt ihr über diesen Link

Raab, Michael: Care in konsensuell-nichtmonogamen Beziehungsnetzwerken. Sorgende Netze jenseits der Norm.

Polyamorie und andere nichtmonogame Beziehungen werden zunehmend sichtbar. Oft werden sie als selbstbestimmtere und geschlechtergerechtere Alternative zu konventioneller Ehe und Familie gesehen. Die marxistisch, feministisch und intersektional fundierte qualitative Studie zeigt, was diese Beziehungsnetzwerke auszeichnet. Gelingt es im Bereich der Sorge (Care), die selbst gesteckten emanzipatorischen Ansprüche umzusetzen?
Opladen 2019, 256 S., 33,00€.

Die Studie ist in den Jahren 2016-2019 im Rahmen einer Dissertation an der Arbeitsgruppe Arbeit-Gender-Technik an der Technischen Universität Hamburg entstanden und wurde ermöglicht durch ein Promotionsstipendium der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

  • Inhaltsverzeichnis
  • Einleitung
  • Rezensionen

  • Zusammen ist man weniger allein von Günter Burkart auf Soziopolis
  • Rezension von Friederike Habermann aus der Contraste – Zeitung für Selbstorganisation
  • Rezension auf socialnet von Angela M. Laußer
  • Neu erschienen: Wie leben? Beziehungsweisen zwischen Revolution & Retraditio­na­lisierung

    Die Broschüre ist 2018 beim Bildungskollektiv Biko erschienen und ist leider vergriffen.

    Inhalt

  • Vorwort
  • Sarah Speck: Beziehungsweisen und Gesellschaft
  • Frank Lipschik: Familien- und Beziehungsvorstellungen im Rechtspopulismus
  • Doreen Kruppa: Freundschaftszentrierte Lebensweisen: Eine Alternative zu heteronormativen Beziehungswelten?!
  • Michel Raab: Poly leben? Poly kümmern!
  • Michael Raab: Care in Consensually Non- Monogamous Relationship Networks: Aspirations and Practices in a Contradictory Field

    Der Beitrag ist für die 1. NMCI-Konferenz 2015 in Lissabon entstanden und 2018 im Graduate Journal of Social Science erschienen.

    PDF-Download (600kb) beim GJSS

    Ich stelle darin Zwischenergebnisse meiner Dissertation vor, in denen sich abzeichnet, dass emanzipatorische Ansprüche sich am besten umsetzen lassen, wenn sie nicht nur entschieden als geteilte Norm vertreten, sondern auch strukturell untersetzt werden, z.B. durch gemeinsame Haushaltsführung oder verbindliche Kommunikationsformen. Zudem stellt der Artikel die genutzte Methodik – eine Trinangulation von Intersektionalen Mehrebenenanalyse (externer Link) und Netzwerkanalyse – dar.

    ABSTRACT: The paper discusses the question whether currently emerging, new forms of non-monogamous intimate relationships generate new class and gender relations. „Michael Raab: Care in Consensually Non- Monogamous Relationship Networks: Aspirations and Practices in a Contradictory Field“ weiterlesen

    Michael Raab: Kämpfe um Lebensformen und Ressourcen im Feld der konsensuellen Nichtmonogamie

    Der Beitrag ist 2016 für einen Sammelband anlässlich des 60. Geburtstags von Gabriele Winker entstanden. Ich diskutiere darin Kämpfe um nichtmonogame Lebensformen in den Begriffen und Konzepten des Intersektionalen Mehrebenenansatz (Winker 2012) und plädiere auf dieser Grundlage dafür, Lebensformenpolitiken — die sich derzeit vor allem um legitime Identitäten, Diskurse, Normen und Gesetze drehen — stärker auch auf materielle Ressourcen zu beziehen.

    Raab, Michael. Kämpfe um Lebensformen und Ressourcen im Feld der konsensuellen Nichtmonogamie. In: Carstensen, Tanja; Groß, Melanie; Schrader, Kathrin. care|sex|net|work. Feministische Kämpfe und Kritiken der Gegenwart. Münster (Unrast), S. 41-49. Download 600kb PDF